Sonntag, 10. Mai 2015

Gedanken zum Muttertag - der Flieder meines Vaters...





Als mein Vater Anfang der sechziger Jahre von einem Verwandtenbesuch in Schleswig-Holstein nach Hause kam, zeigte er mir einen Zweig und versuchte mir zu erklären, dass daraus ein Fliederbusch heranwachsen werde. Ich hörte ihm zu, nickte auch mit dem Kopf, allein: mir fehlte der Glaube.

Dieser Flieder war bei seinem Besuch gerade voll erblüht. Er stand im Garten eines weit über neunzigjährigen entfernten Verwandten.




Davon, dass es sich um eine wunderschöne Fliedersorte handelt, konnten wir uns bereits im darauf folgenden Jahr überzeugen. Das Bäumchen bekam zwei Blütenrispen, wuchs im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Baum heran, blühte jedes Jahr pünktlich zum Muttertag und das mehr als vierzig Jahre lang.




Irgendwann, Jahre nach dem Tod meines Vaters, fiel mir auf, daß die Blühwilligkeit unseres Flieders nachließ. Ich dachte, dass es an der Zeit sei, für Nachwuchs zu sorgen und tat es meinem Vater gleich. 'Sicher ist sicher', kam es mir in den Sinn. Deshalb machte ich vorsichtshalber zwei Stecklinge. Die Bäumchen wuchsen in Kübeln heran. Als beide in voller Blüte standen, nahm ein Bekannter eins davon mit.

 


Für das andere suchte ich ein Plätzchen in meinem Garten. Und in den in die Jahre gekommenen Fliederbusch leitete ich eine Clematis montana, die den Baum noch einige Jahre im Frühling in eine Blütenwolke und nach der Blüte in grünes Blattwerk hüllte.




Doch bei einem starken Sturm war die Last der Clematis für den alten Baum einfach zu schwer, so dass etliche Äste abbrachen. Ich schnitt die Clematis daraufhin bis zum Boden zurück und mußte mich nun auch endgültig, wenn auch schweren Herzens, von unserem Flieder, der eigentlich so etwas wie unser Hausbaum war, verabschieden. Drei Tage hatte ich mit Stichsäge und Spaten zu tun, bis ich sämtliche Wurzeln ausgegraben hatte.




An diese Stelle pflanzte ich einen Enkianthus, den ich einmal als kleinen Strauch gekauft hatte, der innerhalb der letzten 25 Jahre in unserer Familie herumgereicht wurde wie ein Wanderpokal und dementsprechend noch nicht besonders hoch war. Er soll nun hier für immer stehen bleiben, weil der Flieder uns gezeigt hat, dass dies ein guter Platz zum Altwerden ist.




Vom Flieder meines Vaters liegen ein dickes Aststück und zwei Teilstücke des Stammes nun schon im dritten Jahr unter der Weymouthskiefer ( in memoriam ). Und ich reagiere nicht gerade freundlich, wenn meine Tochter immer mal wieder meint, sie könne doch das trockene Holz in ihrem Kamin verfeuern.




Heute ist Muttertag. Schon längst bin ich nicht nur Mutter, sondern auch Großmutter. Als ich heute morgen zum Flieder schaute, hatte ich einen kurzen Anflug von Melancholie.

In diesem Moment trat jemand von hinten an mich heran, umarmte mich und flüsterte mir ins Ohr: „Alles Gute, Mum, zum Muttertag.“




Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag im Kreise Eurer Lieben.


Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    so ein wunderschöner Post!
    Und die Fliederfarbe ist wirklich etwas ganz Besonderes!
    Nun kannst du dich an seinem kleinen Nachkömmling
    erfreuen :-)
    Ganz viele liebe Maigrüße
    sendet dir die Urte :-)

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  2. So eine schöne Fliedergeschichte. Bisschen traurig, aber trotzdem schön.
    Und der Strauß ist ein Traum.

    Viele Grüße
    Margrit

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  3. Liebe Edith, welch ein zauberhafter MuttertagsPost! Diese Erinnerungsstücke dürften bei mir auch nicht verfeuert werden, mit einigen Topfhosta dazu würden sie noch "grün". ;-) Mein kleiner chin. Fliederbusch erfreut mich auch mit Farbe und Duft, der andere hat leider nur drei Blüten - er wurde letztes Jahr vom Nachbarn leider radikal beschnitten. :-(
    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir - LG Marita

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  4. Welch hübsche Aurikeln! Und eine anrührende Geschichte. Überhaupt der Einblick in den Garten - wunderschön! Wie man Flieder aus Stecklingen zieht, habe ich noch nie probiert. Geht das zur Zeit noch? Und sicherlich ist es wie bei anderen Gehölzen auch, das zweijährige Holz, kein verholztes oder ganz junges? Ich wäre gespannt, denn in der Vase bekam ich noch niemals Wurzeln an den Fliederabschnitten.

    Liebe Grüße
    Sara

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  5. Was für eine schöne Geschichte...vom Werden, Wachsen, Gedeihen und Vergehen...Flieder als Stecklingen...muss ich unbedingt mal ausprobieren! Herzlichen Dank für deinen netten Kommentar bei mir! Noch einen schönen Sonntagabend! LG Lotta.

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  6. Liebe Edith,
    vielen Dank für deinen Besuch -
    die Aurikel sind so wunderschön - genau meine Lieblingsfarben -
    auf die Idee vom Flieder Stecklinge zu machen, bin ich auch noch nicht gekommen - find ich toll - wir hatten auch einmal einen großen weißen Flieder
    im Garten - wir mussten ihn später entfernen was eben auch nicht so einfach war - immer wieder hat er wieder aus dem Boden ausgetrieben -
    was für eine Wahnsinnspracht von Clematis -
    den Stamm des Flieders könnte ich auch nicht entsorgen - warum auch? - ich mag es, wenn in einer Ecke Holz oder auch Steine liegen bleiben -
    es findet sich immer jemand im Garten, der Unterschlupf sucht -

    zu deiner Frage: die Blüte (außen rosa - innen grün) ist eine Ranunkel - eine einzige Blüte -

    hab einen schönen Abend -

    liebe Grüße - Ruth

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  7. Eine schöne Muttertags-Flieder-Geschichte!

    Sigrun

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  8. Hallo Edith. Herrlich sieht es in deinem Garten aus, toll sieht das mit den Holzstämmen aus, einfach so liegenlassen.
    Schön ist dein Flieder so herrlich groß. Ein schöner Aurikel Strauß schön anzusehen.
    Wünsche dir eine schöne sonnige Woche und grüße dich lieb Jana..

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  9. Ganz herzlichen Dank für die zahlreichen so netten Kommentare. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Für alle Interessierten, was die Vermehrung von Flieder (Syringa vulgaris) durch Stecklinge angeht, folgendes: Man nimmt Achselstecklinge vom halbreifen Holz in einer Länge von 10 bis 12 cm in der Zeit von Juli bis September, ruhig ein paar mehr; denn wir sind ja nur Hobbygärtner. Eigentlich klappt das so. Bewurzelungshormon, wer es gerade zu Hause hat, und gespannte Luft für einige Zeit können nicht schaden.LG Edith

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  10. Guten Morgen Edith!
    Ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und an den wunderschönen Aurikelbildern hängen geblieben. Ich liebe sie habe aber leider kein besonders gutes Händchen mit ihnen wie mir scheint :(
    Deshalb gefällt mir dein Bild ganz besonders gut und danke für den Tip der Fliedervermehrung. Das werde ich bei meinem Zwergflieder bestimmt ausprobieren.
    GlG
    LiSa

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  11. Liebe Edith,
    auf Deiner Sidebar lachte mich eben dieser Post mit dem Topf voller Aurikelblüten an. Einen Post habe ich eben noch für den 12.April 2016 eingebaut. Zu mehr komme ich im Moment leider doch noch nicht. Aber da Du den ersten Post mit den 6 Töpfen der hellvioletten namenlosen Aurikel wohl noch nicht gefunden hattest, gibt es hier wohl zunächst genug Lesestoff aus dem 'Zweitgarten': http://schneiderhein.blogspot.de/search/label/Aurikeln
    Empfehlenswert sind auch die Links in dem Post zum Blog HaBseligkeiten …
    LG Silke

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    1. Danke, liebe Silke, dass Du bei mir noch einmal in die Vergangenheit abgetaucht bist. Dann werde ich mich jetzt gleich bei Dir auf die Suche begeben. LG Edith

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