Dienstag, 16. Februar 2016

Von der Schrottimmobilie zum Penthouse...?

Miracolo! Wunder geschehen immer wieder... und manchmal, wenn man sie gar nicht gebrauchen kann. Mein fix und fertig auf 'Entwurf' liegender Post zu dem vorgegebenen Foto von Ghislanas Bilder-Pinpong ist verschwunden, einfach so, unwiederbringlich weg. Da hilft kein Jammern und Klagen, Fragen nach dem WARUM? Klappe, zweiter Versuch:



Mein erster Gedanke beim Betrachten des obigen Fotos war: 'Das Gebäude hat auch schon bessere Zeiten gesehen'.


Mein zweiter Gedanke beschäftigte sich mit Emil Tröger, der irgendwann mal mit Obst, Südfrüchten und Fischwaren seinen Lebensunterhalt bestritten hatte und nebenbei noch Großhändler für Heidel- & Preißelbeeren war in diesem Haus mit der Nr. 32. Am Ende scheint es keine Glückszahl gewesen zu sein; denn dann sähe es dort heute anders aus. Eigentlich ist es ein Foto für Sigruns 'Lost Places' und Juttas 'Marode Schönheiten'.



Und noch bevor ich meinen dritten Gedanken richtig fassen und sortieren konnte, hatte ich irgendwie schon den Geruch und den Geschmack von verfaultem Obst und schlechtem Fisch in Nase bzw. Mund. Es stellte sich mir die Frage, ob dieses Haus aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt renovierungswürdig ist oder nicht. Ich bin kein Architekt. Mein Verstand kam zu dem Ergebnis: nein, ist es nicht. In Gedanken wischte ich schon die Buchstaben von der Fassade, damit Emil Tröger das traurige Ende seiner einst sicheren Existenzgrundlage nicht länger mit ansehen muß. Aber plötzlich stutzte ich. Irgendwie kommt mir das Haus bekannt vor: die alte Haustür im Erdgeschoß, rechts und links daneben Fenster und im Obergeschoß auch ein Fenster neben dem anderen. Diese lichtdurchfluteten hohen Räume hatte ich doch irgendwo schon mal gesehen...



Und dann zeichnete sich ein breites Schmunzeln in meinem Gesicht ab. Warum bin ich nicht sofort darauf gekommen? Natürlich! Das wäre ein Fall für unsere BEIDEN, die schon einige Male den Charme alter Häuser erkannt und allen Zweiflern bewiesen hatten, wie man aus sogenannten 'Schrottimmobilien', aus Häusern, die für den Abriß vorgemerkt waren, ein Traumhaus machen kann.



Und da wußte ich auch schon, wie das im vorliegenden Fall gehen könnte. Kernsanierung, alten Putz von der Fassade ab, neuen Putz drauf, zeitloser Anstrich, dezent betonte Fensternischen, den breiten Streifen zwischen den beiden Stockwerken mit aufeinander abgestimmten Farben im Stil der 'alten Zeit' verzieren, dazu neue Fenster mit Dreifachverglasung als Lärmschutz, rechts und links im Erdgeschoss je eine Wohnung mit gehobener Ausstattung und darüber im ersten Stock zwei weitere Wohnungen mit gleicher Ausstattung. Dach runter und 1 1/2 Stockwerke für eine Penthouse-Wohnung oben draufgesetzt mit jeweils großem Balkon, vom Eß- und Wohnzimmer aus zu begehen, und je einer Loggia vor den beiden Schlafzimmern im Dachgeschoß.


Nach Fertigstellung jede der vier unteren Wohnungen komplett möblieren und über eine Agentur an internationale, solvente Kurzzeitmieter vermieten, also an beruflich erfolgreiche, interessante Menschen, die für einige Monate oder ein paar Jahre in Deutschland zu tun haben, aber nicht ständig im Hotel wohnen möchten.


Die Penthouse-Wohnung bleibt natürlich den Eigentümern vorbehalten.



Wenn der eine oder andere von Euch jetzt meint, dass meine Fantasie mit mir durchgeht und ich spinne, nein, das tue ich nicht. Solch ein Haus gibt es tatsächlich. Es gehört den oben erwähnten BEIDEN, die als junge Leute in die Landeshauptstadt zogen, nach ein paar Schnupperjahren dort ihren bürgerlichen Beruf an den Nagel hängten und ihr Auto gegen einen alten VW-Bulli eintauschten, weil sie den Traum hatten, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Sie waren fasziniert von 'alten Sachen' und versuchten, sich aus dem Nichts heraus mit Antiquitäten eine Existenz aufzubauen, und zwar gegen den Rat aller, die 'es gut mit ihnen meinten'. 


Als sich nach ein paar Jahren erste Erfolge und zwei Kinder einstellten, kauften sie eine 'Schrottimmobilie', eine etwas heruntergekommene Jugendstilvilla mit Garten, 30 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt und ein paar Minuten bis in das nahe gelegene Erholungsgebiet. Nach und nach renovierten sie die Villa in Eigenregie. Als so langsam das Rentenalter in Sicht war, bekamen sie eines Tages für dieses Haus ein derart fantastisches Angebot, so dass sie einfach nicht nein sagen konnten. Das war zu einem Zeitpunkt, als sie schon seit längerem Eigentümer eines weiteren renovierungsbedürftigen Gebäudes waren, einer ehemaligen Gaststätte mit separater Kegelbahn. Aus der Kegelbahn wurde ein Mini-Einfamilienhaus inmitten eines wunderschönen Gartens mit altem Baumbestand. Das Haus wurde kernsaniert und aufgestockt. Wenn man vom oberen Balkon der Penthouse-Wohnung über die Stadt hinweg und hinunter in den Garten schaut, fühlt man sich wie der liebe Gott persönlich, der zufrieden seine Schöpfung betrachtet. Auch dieses Grundstück liegt zentral, nur wenige Gehminuten von der Jugendstilvilla entfernt.



So kann es beginnen, mit einem alten Haus, das Märchen vom 'Tellerwäscher zum...', nein, die Erfolgsstory von zwei Menschen, die sich nicht beirren ließen und den Spruch, den wir alle kennen, in die Tat umsetzten:

Träume nicht dein Leben, 
sondern lebe deinen Traum.

Und das tun sie bis heute. Sie könnten sich längst zur Ruhe setzen, werden aber immer mal wieder rückfällig, wenn interessante Aufgaben locken.

http://3.bp.blogspot.com/-kIV2jgvyW-U/Vqkg0bbaBNI/AAAAAAAAOE0/Q8hie1v48Tg/s1600/Bilder-Pingpong-Logo-kl.jpg

All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine schöne Woche und schicke einen lieben Gruß an die BEIDEN.

P.S. Die Fotos für diesen Post habe ich Samstag vor einer Woche gemacht. Abgebildet ist das 'Alte Zollhaus' der Grafschafter VB eG in Nordhorn, das mir als passend für diesen Post und eine gelungene Renovierung/ Restaurierung erschien. 
 

Kommentare:

  1. Hallole Edith,

    ja, in diesem Haus würde ich auch gerne wohnen, ich fürchte es wird aber zu teuer.
    So toll umgesetzt.
    Leider kann ich immer wieder bedauern, dass gerade hier in Stuttgart in den 50er Jahren soviel kaputt gemacht worden ist. Schöne Villen abgerissen und gerade das
    Stuttgarter Rathaus eine Architektur der 50er hat. Ist schon gewöhnungsbedürftig. Aber auch das gehört nun mal zur Achitektur. Stuttgart war ja auch total zerstört und da konnten die Bewohner der DDR von Glück (ja, Glück im Unglück) sagen, dass hier nichts gemacht wurde. Heute haben sie so schöne Städte, weil alles wieder renoviert wurde. Wenn ich denke, dass die schöne Villa WEißenburg in Stuttgart ein Opfer des Abrisses wurde, dann dreht sich bei mir der Magen rum. Aber was weg ist, ist nun mal weg. Danke Herr Oberbürgermeister Klett.
    Lieben Gruß Eva

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  2. Liebe eva,
    ich bin restlos begeistert von deinem Bericht. Ich habe dieses Haus natürlich schon oft fotografiert und vielleicht bringe ich es ja sogar am Samstag bei den Lost Places #2. Ich finde deine Lösung genial. Nur die Schallschutzfenster brauchst du nicht unbedingt. In der Meissner Gasse geht es beschaulich zu. Wobei...das Kopfsteinpflaster macht schon ordentlich Krach...vielleicht also doch. Im Moment steht das Haus tatsächlich zum Verkauf und es gibt sogar Sanierung-Fördermittel von der Stadt dazu. Ich hoffe noch, dass sich jemand findet. So schlecht ist der Zustand nämlich gar nicht. Sehr zu bewundern diese Beiden, auch wenn ich nicht weiß, wer gemeint ist...:-))
    Liebe Grüße, Sigrun

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  3. Ja, so könnte es gehen, wenn es viele, viele, viele solcher "Beiden" gäbe, die so unvernünftig sind ihre Träume zu leben, gegen alle Totschlagargumente... Eine tolle Geschichte... Danke fürs Erzählen, liebe Edith. Egal wie es mit dem Haus in der Meißner Gasse ausgeht. diese "geschichte"ten Schriften werde ich nicht vergessen. Dass sie allesamt so nach und nach zum Vorschein kamen und entzifferbar sind... Lieben Gruß Ghislana

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  4. Liebe Edith,
    mir ist es immer lieber, einem alten Haus wird neues Leben eingehaucht, als dass es abgerissen werden muss.
    Darum mag ich deine Gedanken und Ideen sehr und hoffe, für "unser" Haus findet sich jemand, der einem Traum leben einhauchen kann.
    Vielen Dank fürs Mitmachen und herzliche Grüße von Lucia

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  5. Das finde ich sehr gut, diesen alten Häusern neuen Lebensgeist zu geben. Ich würde lieber in einem alten wohnen - wenn es eingeschossig ist.

    Sigrun

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  6. Was für eine schöne und Mut machende Geschichte, sich nicht beirren zu lassen.
    Aber schon schade, dass die alte Schrift der Modernisierung zum Opfer fällt ;-)
    Herzliche Grüße, Doreen

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  7. Schöne Geschichte, und ich hätte wetten können, dass du da von dir selbst erzählst. Bis du am Ende die BEIDEN grüßt, und das passt dann ja nicht so wirklich...:-)

    Ich überlege mir manchmal wie es wohl wäre in einem Neubau zu wohnen. Ich kenne das selbst gar nicht, bei mir war es immer Altbau, und das wird es hoffentlich auch bleiben.

    Übrigens ist das Konzept der Vermietung als Ferienwohnung oder für Leute, die nicht im Hotel wohnen möchten etc. hier in unserer Stadt ausdrücklich verboten weil der Wohnraum knapp ist, und wird bei Bekanntwerden auch knallhart verfolgt und bestraft. Andere Gegenden, andere Sitten...:-)

    LG Sabine

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  8. Oh, ich staune, so viel Mühe mit diesem alten Haus?
    Wenn das nach der Restaurierung wirklich so aussehen würde, wie oben auf den Fotos...
    D a s w ä r e s a g e n h a f t !
    Deine Schwarz/weiß- und Sepia-Variante erinnert mich an lichterloh brennende Häuser?
    Das wäre auch eine Option, aber nur gedanklich!
    LG Heidi

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  9. Liebe Edith,
    ein toller Post!
    Was man alles machen kann - aber
    es gehört auch immer viel Mut dazu
    seine Träume zu verwirklichen :-)
    Liebe Grüße Urte

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  10. Eine gute Idee, aus alt mach neu, sieht wirklich wie neu erstellt aus. Ein tolles Posting.
    Herzliche Grüsse, Sichtwiese

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  11. Ja, das hätte ich jetzt auch gedacht, daß das Deine Geschichte ist, liebe Edith ... Denn die Dener Kinder kann es kaum sein, wegen Rentenalter ;-)

    Ich weiß jetzt gar nicht, ob bei uns sowas erlaubt ist, Vermieten als Ferienwohnung bzw auf Zeit - hier ist der Wohnraum ja ebenfalls sehr knapp.

    Hmm jetzt bin ich doch ein wenig irritiert - weil Emsdetten und dann Dresden (Sigrus Kommentar)? Aber vielleicht warst Du dort ja einmal hingereist ...

    Unsere Stadt wurde leider weitgehed kaputt-bombardiert, daher sind nicht mehr allzuviele alte Häuser übrig geblieben. Wirklich zu schade! Ich mag alte Häuser auch lieber und am liebsten, wenn sie so ziemlich ursprünglich bleiben, aber wer will so heute schon noch wohnen? Schon bei den Fenstern fängt es an .... zu gute Isolation mag ich persönlich gar nicht, da bleibt die Natur außen vor und das Raumklima wird künstlich. Aber das ist heue leider Standard ... daher wäre mir am liebsten so ein Hutzelhaus mit Eisblumen im Winter an den Fenstern, denn ich ziehe mich lieber wärmer an als zu abgedichtete Fenster zu haben.

    Der Spruch ist so wahr - es gibt so viele "Wohlmeinende", wenn man sich immer nach den Bedenkenhabern richten würde, käme an nie zu etwas ...

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

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  12. Ein wirklich schöner Post...ich finde es toll wenn aus altem Neues entsteht :) nicht immer gleich wegreißen und Neu....hätte auch lieber wieder ein altes Haus mit Flair bezogen und renoviert, doch mit einem Mann mit zwei linken Händen ;)muss man sich eben mit Neubau zufriedengeben !
    ♥︎Kerstin

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