Dienstag, 21. März 2017

Bilder-Pingpong bei Lucias 'schreibtischwelten'...

'Gute Erinnerungen tragen unser Leben'.
Aus Japan

Als SIE das Foto sah, stutzte sie kurz. Dann lächelte sie. Und - nach fast zwei Jahrzehnten - war plötzlich die Erinnerung wieder da, die Erinnerung an eine wunderbare Begegnung, die ihr damaliges Leben  schlagartig verändern sollte. 

Sie atmete einmal tief durch, strich sich mit beiden Händen ihre Haare aus dem Gesicht, stützte ihre Ellenbogen auf der Tischkante ab und ließ ihren Kopf in ihre geöffneten Handflächen fallen. Dann schloss sie die Augen und erinnerte sich:

Lucias Impulsbild...

Wie aus dem Nichts war ER damals auf einmal da und bot ihr seinen Parkplatz an. Er war Gast im selben Hotel. Sie kannte ihn vom Frühstück. 'Sehen wir uns heute Abend?' fragte er sie beim Einsteigen in seinen BMW. Sie schaute ihn sprachlos mit großen Augen an.

Am Abend kam er an ihren Tisch, fragte sie, ob er sich zu ihr setzen dürfe. Sie wollte gerade aufstehen, um noch einen Abendspaziergang um den See zu machen. Gute Idee, fand er, auch er würde sich nach einem anstrengenden Arbeitstag gerne noch etwas frische Luft um die Nase wehen lassen. Er bat darum, sie auf ihrem Spaziergang begleiten und ihr Gesellschaft leisten zu dürfen. 

Er erwies sich zu ihrer Überraschung als ein begnadeter Unterhalter. Und schon bald hatten beide das Gefühl, als würden sie sich seit Ewigkeiten kennen, plauderten über dieses und jenes, über Gott und die Welt. Es war wie Pingpong spielen. Sie erzählte. Er hörte ihr interessiert zu. Dann erzählte er und sie lauschte fasziniert und amüsiert seinen Worten. Es gab viel zu lachen, weil er einen wunderbaren Humor hatte. Die Zeit verging wie im Flug. Sie gingen eine Runde um den See, eine zweite und auch noch eine dritte.


Am nächsten Tag, als sie vom Thermalbad kam, wartete er schon auf sie. Sie begrüßten sich wie alte Bekannte. Und wieder spazierten sie nach dem Abendessen um den See. Im Cafe der Eissporthalle trank sie eine heiße Schokolade und er ein kaltes Bier. Es gab so viel zu erzählen. Die drei Runden um den See vergingen wie im Flug. Er war auch noch ein toller Witze-Erzähler, musste manchmal schon selber vor der Pointe lachen. Sie erinnerte sich nicht daran, jemals mit einem Mann so viel gelacht zu haben, hätte sich vor Lachen manchmal fast in die Hose gepinkelt.



Am dritten Abend waren sie beim DU. Alles andere hätte auch nicht mehr gepasst. Sie waren im selben Sternzeichen geboren. Vielleicht harmonisierte es deshalb zwischen ihnen so gut. Man hatte die gleiche Wellenlänge, verstand sich blind. Oft wollten beide zeitgleich dasselbe sagen. Zum Abschluss des Abends tranken sie einen Apfelwein im 'D-Zug'.





Am letzten Abend gingen sie Hand in Hand um den See, erzählten, lachten und nahmen schließlich Platz in einem Biergarten. Ein Kind vom Nebentisch winkte ihr zu. Sie antwortete mit einem Lächeln. Der kleine Junge kletterte daraufhin von seinem Stuhl und kam zu ihr. Sie war begeistert von der Unbefangenheit des Kleinen, der ihr am Schluss sogar anbot, von seinem Eis zu lecken. Als sie sich ihm wieder zuwandte, sah sie, wie seine Augen sie zärtlich 'streichelten'. Dieser Blick traf sie mitten ins Herz. So hatte sie schon lange kein Mann mehr angeschaut.


Auf dem Rückweg blieb er plötzlich am Ufer des Sees stehen, legte seine Arme um ihre Schultern. Ganz langsam begann er, im Takt der Biergartenmusik mit ihr zum Steg zu tanzen. Am Ende des Stegs setzten sich beide auf die Holzplanken, ließen ihre Beine über dem Wasser baumeln. Nach längerem Schweigen nahm er ihre Hand, küsste sie (die Hand), sagte leise, dass er sie ganz zauberhaft fände und sich über beide Ohren in sie verliebt habe. Aber er wolle die Beziehung zu seiner Partnerin, die für ihn einiges aufgegeben hatte, nicht aufs Spiel setzen. 

'Es waren wunderschöne Abende mit dir', antwortete sie, 'die mir unvergesslich sein werden. Ich hatte völlig vergessen, wie schön unbeschwert und leicht das Leben sein kann. Auf jeden Fall habe ich noch mit keinem Mann so viel gelacht wie mit dir'. 
 
Sie gab ihm einen leichten Stups, sprang auf, klatschte übermütig in die Hände und drehte sich schließlich mit weit ausgestreckten Armen wie der weiße Wirbelwind um die eigene Achse, bis ihr schwindlig wurde. Er fing sie auf. 'Und du bist wirklich nicht traurig oder enttäuscht?' fragte er. 'Warum sollte ich? Im Gegenteil, durch dich habe ich erfahren, was ich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Ja, ich kann mich noch einmal verlieben, wenn der Richtige kommt! Dafür danke ich dir von ganzem Herzen.' 
 

'Und das ist die volle Wahrheit?' fragte er. 'Jaaa!' rief sie lachend in die Nacht. 'Schau mal zum Sternenhimmel, den habe ich extra nur für uns beide bestellt, ist der nicht wunderschön?' Noch nie hatte sie solch einen tiefschwarzen Himmel mit Tausenden von leuchtenden Sternen gesehen. 'Silbermond und Sternenhimmel und das ganze Drumherum, alles mit dir war schön'. Sie schaute ihm dabei in die Augen und zur Bekräftigung ihrer Worte drückte sie seine warme Hand. Schweigend gingen sie zum Hotel. 'Klopf morgen früh bitte an meine Tür, bevor du fährst', bat sie ihn.

Er klopfte morgens um 6 Uhr. Sie öffnete die Tür, umarmte ihn zum Abschied, wünschte ihm eine gute Fahrt. Barfuß und im Nachthemd winkte sie ihm  noch vom Balkon aus hinterher. 

Sie lächelte, fühlte sich schön, begehrenswert, glücklich und stark, wie neu geboren. Und das strahlte sie auch aus. Alles in ihr jubelte: 'Das Leben ist schön!'


'Kurz begegnen, lang gedenken
macht die Seele reich und froh'. 
Emanuel Geibel



'Wenn die Glocken der Erinnerung läuten,
wird es Sonntag im Herzen'.
Peter Sirius

Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    auch du hast eine so tolle Phantasie. Fast wähnte ich mich in einem Liebesroman... Schön! Gerne hab ich deine Geschichte gelesen. Danke dafür! Liebe Grüße.

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  2. ...noch so eine schöne Geschichte, wie ich gerade schon bei Eva las...dieses Bild scheint besonders zum Erinnerung erzählen zu animieren,

    liebe Grüße Birgitt

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  3. Liebe Edith,
    "es war wie Pingpong spielen" - deine Geschichte ist wundervoll, die Stimmung überträgt sich beim Lesen. Lebensfreude kommt herüber geschwappt und ein bisschen Verzauberung. Ich staune, was so ein alter schiefer Bootssteg "anrichten" kann.
    Herzlichen Dank für diese Geschichte und liebe Grüße von Lucia

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  4. Eine schöne Kurzgeschichte. Hast Spaß gemacht die Erzählung rund um den Steg am See.
    Herzliche Grüße, Angelika

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  5. Hallo Edith!
    Da komm von ganz tief aus meinem Herzen ein "Hach" und noch eines und noch eines. Deine Geschichte hat mich richtig verzaubert. Ich als alte Romantikerin habe deine Geschichte sofort ins Herz geschlossen. Aber sie macht mich auch ein wenig wehmütig, denn ich könnte diesen Mann nur schweren Herzens ziehen lassen. Deine Protagonistin hat mir warscheinlich eine Menge vorraus, dass sie das alles so leicht annimmt!

    Wenn du, wie du sagst, mit Bildern nicht so werkeln kannst wie ich, dann kann ich das in Bezug von Geschichten schreiben auch nur von mir sagen. Ich wünschte, ich könnte es besser! :-)


    Liebe Grüße
    und danke für deinen Besuch

    Anne

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  6. Liebe Edith,
    auch ich finde die Geschichte sehr schön und ich bin da ehrlich, ich hätte den Mann nicht ohne weiters ziehen lassen und es wäre nicht der erste Mann, der nicht einen Seitensprung gewagt hätte.

    :-))

    Mehr sage ich jetzt lieber nicht. Jeder Mensch hat seine kleinen Geheimnisse und das ist auch gut so.

    Lieben Gruß Eva


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    1. Wer meine Pingpong-Beiträge aufmerksam liest, liebe Eva, der weiß, dass ich damit gerne eine Botschaft übermittle.
      Mit Frühling verbinde ich Leichtigkeit, Unbeschwertheit, Verliebtsein. Dieses sollte diese Geschichte widerspiegeln. Jedes andere Ende dieser wunderbaren Begegnung zweier Menschen hätte ihr den Zauber genommen und einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Auf gar keinen Fall sollte es eine Seitensprung- oder eine Problemgeschichte sein. Und selbst in erfundenen Geschichten mag ich es nicht, wenn jemand sein Glück auf dem Unglück eines anderen Menschen aufbaut. Danke für Deinen Kommentar. Liebe Grüße, Edith

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  7. Liebe Edith,
    vielen Dank für den Hinweis. Jetzt habe ich die Verlinkung korrigiert.
    Nochmals Grüße zu Dir hinüber.
    Deine Lucia

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  8. Liebe Edith,
    eine zauberhafte Geschichte, auch wenn sie anders als erwartet ausgeht...aber so ist das Leben.
    Einen sonnigen Tag wünsche ich dir, Marita

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  9. Liebe Edith, an Dir ist eine Schriftstellerin verloren gegangen. Toll geschrieben :)

    Ganz liebe Grüße
    Kathrin

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  10. Eine wundervolle Geschichte hast du geschrieben. Was bist du eigentlich von Beruf? Warum schreibt`s du keine Bücher? Ich wäre froh, wenn ich nur halb so gut schreiben könnte. Und einen neuen Header hast du auch wieder gebastelt, so schön.
    Grüße von Ilona

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    1. Ich bin im Ruhestand, liebe Ilona, war froh, als ich aus der 'Sklaverei' entlassen wurde. Außerdem habe ich im Garten zu tun, habe keine Zeit zum Bücherschreiben. Es ist schon schlimm genug, wenn mal ein Post 'zerrissen' wird. Stell Dir vor, das würde mit einem Buch passieren, an dem man vielleicht 2 bis 3 Jahre gearbeitet hat! Welch eine Zeitverschwendung! Und das in meiem Alter!!! Spaß beiseite, ich freue mich, wenn Dir meine Geschichte gefallen hat. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, höchstens mir selbst. Und mir hat es schon gereicht, meine Memoiren bis zu meinem 14. Lebensjahr zu schreiben.
      Danke für Deinen Kommentar. Liebe Grüße, Edith

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    2. '.... in meinem Alter..' muss es natürlich heißen.

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