Samstag, 24. Juni 2017

Bilder-Pingpong bei 'Jahreszeitenbriefe': Ein Baum erzählt...

Impulsbild bei Ghislanas Bilder-Pingpong...
'In meinem ersten Leben, liebe Leserinnen und Leser, war ich ein Süßkirschbaum, genauer gesagt eine Herz-Kirsche (Prunus avium subsp. juliana).

In meiner frühen Jugend, als ich gerade mal eine Höhe von etwa einem Meter erreicht hatte, holte mich ein freundlicher, ruhiger Mann aus der Baumschule und pflanzte mich in seinen Garten. 

Und heute kann ich sagen, dass dieser Mensch ein Glücksfall für mich war, der mir im Laufe von mehr als zwanzig Jahren zu einem wahren Freund wurde. Er hegte und pflegte mich, kümmerte sich rührend um all meine Bedürfnisse und kannte sich bestens aus mit Baumschnitt und Düngung.

Er formte mich zu einem stattlichen Baum, der Jahr für Jahr in der Blütezeit von den Menschen bestaunt, von Tausenden von Bienen besucht wurde und in der Erntezeit, die überwiegend direkt 'vom Baum in den Mund' erfolgte, Treffpunkt der ganzen Familie war. Und immer war es für mich eine besondere Freude, wenn meine saftigen schwarz-roten Früchte allen gut schmeckten und in den höchsten Tönen gelobt wurden. Ach ja, es war für alle eine schöne Zeit, wenn die Leitern sich gegen meinen Stamm lehnten, die Kinder in meiner Baumkrone herumkletterten und der Garten erfüllt war von fröhlichem Lachen.

Und dann begann plötzlich von einem Tag auf den anderen für den Garten eine herrenlose Zeit, in der jedes Familienglied auf seine eigene Art um den Menschen trauerte, der Mittelpunkt der Familie und mein Freund war. 

Niemand kannte sich nun aus mit Obstbaumschnitt oder Düngung, so dass mir im Alter von fast 30 Jahren nach und nach die Kraft ausging und ich kaum noch Blüten und Früchte hervorbrachte. Auch war ich inzwischen so hoch gewachsen, dass sich niemand mehr in meine Krone wagte. 

Nach einer Zeit des Innehaltens, Trauerns und Nachdenkens beschloss die neue Hüterin des Gartens, den Gemüsegarten in einen Blumengarten umzugestalten. Meine Befürchtung, dass nun auch mein letztes Stündchen gekommen sein könnte, erwies sich als unbegründet. Man pflanzte mir zu Füßen drei bewurzelte Efeutriebe, die sich in einem rasanten Tempo am Stamm entlang den Weg in die Baumkrone bahnten. Damit begann mein zweites Leben als Efeubaum.



Und schon nach ein paar Jahren trug ich ein Kleid aus Efeu in seiner Altersform. Am immergrünen Blattwerk erschienen im September/ Oktober unzählige Blüten, die von Bienen nur so umschwärmt wurden und zwischen Januar bis April zu grünlich-schwarzen Früchten reiften. Sie dienten Amsel, Star und Rotkehlchen als Nahrung, die ihrerseits wieder durch das Ausscheiden der Samen für zahlreichen Efeunachwuchs sorgten. Dass ich dieser Aufgabe in meinem Alter im wahrsten Sinne des Wortes noch 'gewachsen' war, erfüllte mich all die Jahre mit Stolz und fühlte sich für mich richtig gut an.

In diesem Frühjahr aber stellte die 'Chefin' fest, dass der Efeubaum inzwischen einen Durchmesser von geschätzten sieben Metern erreicht und das immergrüne Laub wertvolle Pflanzen wie Eisenhut, Herbstanemonen, Funkien, Lenzrosen und Hortensien unter sich begraben hatte, die vertrocknet und nicht mehr zu retten waren. Das hatte zur Folge, dass mein inzwischen bis zum Boden reichendes Efeukleid, das doch ziemlich schwer auf meinem Stamm und auf den Ästen lastete und sie bei Sturm sogar abbrechen ließ, Anfang Mai dieses Jahres bis auf das letzte Blatt radikal entfernt wurde. Auch die drei hoch hinausragenden Äste wurden gekürzt.
 

 


 

Danach fühlte ich mich zwar erleichtert, aber gleichzeitig auch völlig nackt. 

Als ich mich schon damit abgefunden hatte, dass es nun auch mir an den Kragen gehen wird, begann man damit, meine Baumscheibe mit Vlies und Pinienrinde abzudecken. Die Chefin streute sogar Dünger aus, gab mir Wasser und freute sich ganz ungemein, als das Efeu darauf mit frischem Blattaustrieb reagierte. 




Aber schaut doch selbst. Sehe ich nicht toll aus in meinem neuen grünen Blätterkleid? Ich fühle mich um Jahre verjüngt und bin neugierig und gespannt auf alles, was demnächst noch auf mich zukommen wird.  




Übrigens sieht neuerdings immer mal wieder jemand sehnsüchtig zu mir herüber. Es ist mein Freund, der Baumgeist (eigentlich an mich gebunden und nicht umsiedelbar), der mich bei Beginn der Rückschnittarbeiten in Panik fluchtartig verlassen und sich verängstigt hinter dem Holzzaun verkrochen hatte. Wenn das kein gutes Omen ist. Ich bin da recht zuversichtlich, dass er alsbald zu mir zurückehren, die Symbiose mit mir und damit die natürliche Ordnung wieder herstellen wird.



Danke, dass ihr mir bis zum Schluss zugehört habt und ich euch aus meinem Leben erzählen durfte.
Ich wünsche euch allen eine gute Zeit und bin auf ewig 
euer Freund, der Baum.'

Wer Baumgeschichten mag, der kann HIER die wahre Geschichte des Kirschbaumes vom anderen Ende des Gartens nachlesen, die eigentlich eine Ost-West-Geschichte ist.

Lust auf mehr Pingpong-Beiträge von mir? Mit einem Klick seid ihr beim entsprechenden Post. Viel Spaß!
Januar 2016

Freitag, 23. Juni 2017

Friday Flowerday bei Holunderbluetchen: weiß-grünes Duo...



Für mein heutiges Freitagssträußchen kommt endlich mal wieder meine weiße Apfel-Vase von Arzberg zum Einsatz.  

Zwei Triebspitzen meiner Staudenclematis mit ganz vielen prall gefüllten Knospen und ein paar weißen Blüten habe ich dafür geopfert. Zwei Blätter von Brunnera 'Jack Frost' dazu und fertig ist das Sträußchen. Mir gefallen die Knospen der Clematis genauso gut wie die Blüten, bin mal gespannt, ob sich in der Wohnung alle öffnen werden.

Ja, es müssen nicht immer Prachtstauden wie Pfingstrosen oder Rosen aus dem eigenen Garten sein.  Mir macht ein kleiner Strauß mit Veilchen, Vergißgemeinnicht oder eben diesen kleinen Blümchen genauso viel Freude.




'Leben
 ist nicht genug, sagte der Schmetterling,
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine 
Blume gehören auch dazu'.

Hans Christian Andersen








All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende.

Sonntag, 18. Juni 2017

Menschen & ihre Gärten, heute der Garten Hommel-Althoff/ Althoff in Rosendahl-Holtwick:


'... auf dem Weg vom Gartenwunsch zum Wunschgarten'.



Als ich kürzlich im Garten Gottheil mit Fotografieren beschäftigt war, sprach mich eine Dame an mit den Worten: "Wir kennen uns doch von der Staudenbörse in Gescher." Einen Moment lang irritiert, fragte ich sie: "Sind Sie das mit dem Garten '... auf dem Weg vom Gartenwunsch zum Wunschgarten'?" Als sie dies bejahte, sagte ich lachend: "Ja, ich erinnere mich, zu schade, dass ich Ihren Garten nicht fotografieren darf." "Warum eigentlich nicht?" Das war die Stimme des Hausherrn, der diesmal dabei war und seine Gattin fragend anschaute.

So kam es, dass ich am 10. Juni nach Rosendahl-Holtwick zur Offenen Gartenpforte zu den Eheleuten Beate Hommel-Althoff und Josef Althoff fuhr. Ich erwartete also einen Garten, der auf dem Weg ist, ein Wunschgarten zu werden, und fand einen Gartentraum vor, in dem ich nichts entdeckte, was man hätte verbessern können. Da wurde aber sehr tief gestapelt.

Zunächst verschaffte ich mir einen groben Überblick. Vom Vorgarten ging ich rechts am Haus entlang und betrat von der Garage aus den Bereich hinter dem Haus mit einer großzügigen Terrasse. Links davon im Schatten des Nachbargebäudes befindet sich ein Hostagärtchen. Rechts hinter der Garage ist ein Duftgarten mit Duftpflanzen, verschiedenen Salatsorten in Blumentöpfen, schöner Deko vor und an der Garagenwand. Von der großen Terrasse aus schaut man auf einen wunderschönen Teich, eingebettet in saftiges, frisches Grün. Und von der dortigen Terrasse wiederum schaut man über den Teich zum Wohnhaus. 

Über ein paar Stufen gelangt man zu einer Ruine zur Linken. Danach geht es wieder hinab in einen schattigen Gartenbereich mit verschiedenen Gartenräumen. Auf einem zu beiden Seiten blumengeschmückten Schlängelweg kommt man schließlich zum Pavillon. Auf dem Rückweg Richtung Haus befindet sich auf der linken Seite ein großes zur Zeit traumhaft schön blühendes Staudenbeet

Überall in den kleinen Gartenräumen mit immer wieder neuen Gartenbildern laden Stühle, Bänke, Sitzgruppen zum Innehalten und Verweilen ein. Und die Handschrift der Hausherrin ist allgegenwärtig in Form von stimmiger, unaufdringlicher Deko und immer wieder gibt es Bereiche in den Farben Weiß und Grün, die Ruhe und Eleganz ausstrahlen. So etwas kann man nicht lernen. Dieses Talent wird einem in die Wiege gelegt. 

Seit zwanzig Jahren gibt es diesen Garten. In dieser Zeit wurde aus einem ehemals trostlosen Acker von den Eheleuten Althoff nach und nach  ein Gartenparadies geschaffen. Und nun schaut selbst, ob der Garten noch 'auf dem Weg' ist oder, wie ich denke, das Ziel schon längst erreicht hat.

Viel Spaß wünsche ich Euch. Die Querformatfotos lassen sich durch Anklicken vergrößern.

Bilder aus dem Vorgarten...




Bereich rechts am Haus...

Deko vor dem Garagentor...

Terrasse am Wohnhaus...

Garagenwand mit Duftgarten...

Blick von der Terrasse am Haus zum Teich...


Links oben die Ruine...

Sitzplatz links vom Teich zur Nachbarseite...

Hostagärtchen...



Großes Staudenbeet zur rechten Nachbarseite...

Ein weiterer Sitzplatz mit Blick auf den Teich...

Terrasse am Teich...


 

Man beachte den Wasseranschluss rechts im Bild, den man überall im Garten findet...

Treppe zur Ruine...




Blick zurück zum Wohnhaus...
 
Neue Gartenräume links und rechs...

zum Verweilen...






Sichtschutz am Ende des Gartens...



Pavillon...



Deko am Pavillon...



Auf dem Weg zurück zum Haus...




Großes Staudenbeet zum rechten Nachbargrundstück...







Damit beende ich diesen Gartenrundgang für heute in der Hoffnung, dass er Euch genauso viel Freude bereitet hat wie mir. Die gute Nachricht ist, dass ich demnächst noch ein paar Bilder zeigen werde, die ich hier nicht mehr unterbringen konnte. 

Wenn ich in meinen Garten schaue, dann ist es für mich unbegreiflich, in welch gutem Zustand sich sämtliche Pflanzen im Garten Althoff befinden. Uns blieb in diesem Jahr wettermäßig nichts erspart: wochenlange Trockenheit, Hitze über 30 Grad, Frost-, Hagel- und Sturmschäden. Von alledem sieht man hier nichts. Sicher hat es auch mit den einzelnen Gartenräumen zu tun, die den Garten schützen, die ihm Licht, aber auch Schatten geben. Schade, dass man den Bildern nicht ansehen kann, wie es im Garten duftete und dass man überall ein beruhigendes Plätschern hörte.

Ein herzliches Dankeschön an Beate und Josef Althoff, dass ich doch noch willkommen war, Fotos machen durfte und hier über den Garten schreiben darf.

All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.