Dienstag, 25. Juli 2017

Bilder-Pingpong bei 'schreibtischwelten' - Fake News...?



Dass ich Junk-E-Mails erhalte, wonach ich etwas gewonnen haben soll, obwohl ich nirgendwo mitgespielt habe, bin ich ja gewohnt. Als ich vor einigen Tagen aber aus dem Briefkasten einen Luftpostbrief aus den USA zog, in welchem von einer Erbschaft bzw. einem Vermächtnis die Rede war, fielen mir dazu nur die in letzter Zeit oft gehörten Worte Fake News ein. Empört darüber, dass nun auch schon Menschen per Luftpost aus Übersee durch Falschmeldungen in die Irre geführt werden sollen, landete der Brief im Papierkorb


Umso erstaunter war ich, als gestern ein Paket von einem Notar aus den USA bei mir eintraf. Es rappelte im Karton. Nach einer Bombe hörte sich das nicht an, so dass ich das Paket neugierig öffnete. Mein Blick fiel auf allerlei Krimskrams, auf wertlose Kleinigkeiten in einem übergroßen Karton, und ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.


In der Garage kippte ich die Papiertonne um und fand schließlich den weggeworfenen Brief. Da war die Rede von Mrs. I. Smith. Ich kenne keine Misses Smith. Als ich weiterlas, war von Irmgard Smith aus Texas/ USA die Rede. Und da klingelten bei mir alle Glocken. Ich spulte mein Leben fast bis auf Anfang zurück. Und dann fiel mir dazu folgendes ein:


In meiner frühesten Kindheit war es in meiner kleinen heilen Welt immer ein Höhepunkt, wenn meine großen Cousinen zu Besuch bei uns weilten. Da gab es die beiden stillen Töchter von Tante Frieda, die fast aussahen wie Zwillinge, mit wunderschönem langem, schwarzem Haar. Und aus Cuxhaven besuchten uns die Töchter Ursel und Irmgard von Onkel Albert. In dieser Zeit stand ich dann plötzlich im Mittelpunkt, wurde von den großen Mädchen verwöhnt, bewundert, auf den Arm genommen und herumgetragen, was ich so gar nicht gewohnt war.


Als ich etwa sieben Jahre alt war, besuchten wir Onkel Albert. Irmgard war inzwischen eine wunderschöne junge Frau. Sie hatte hellblondes, mittellanges Haar, das nach innen eingerollt war, geschminkte Lippen, lackierte Fingernägel und roch so gut nach Parfum. Stolz präsentierte sie uns ihren goldenen Verlobungsring mit zwei Brillanten und einem großen blauen Saphir.



Und schon bald darauf ging Irmgard mit ihrem Mann, einem amerikanischen Soldaten, nach Texas/ USA.


Jedes Mal, wenn ich Tante Anni und Onkel Albert besuchte, zeigten sie mir stolz die Briefe, Karten und Bilder, die Irmgard ihren Eltern geschickt hatte. Sie war künstlerisch sehr begabt, hatte ihr Elternhaus aus dem Gedächtnis als Aquarell gemalt, kunstvolle Karten selbst gebastelt, diese mit Goldstaub, künstlichem Schnee und Perlen versehen. Leider blieb das Ehepaar kinderlos.


Und nun schaute ich nach so vielen Jahren etwas ratlos auf diesen Karton. Na ja, nicht jeder bringt es in den USA zum Millionär. Merkwürdig, dass Irmgard ausgerechnet an mich gedacht hat. Ja, ich fand das Blau des Saphirs so schön und durfte den Ring sogar anfassen und aus der Nähe betrachten. Meine Cousine meinte damals, dass das Blau so gut zu meiner Augenfarbe passen würde. Noch nie hatte ich so schönen echten Schmuck gesehen. 


Es berührte mich, dass sie sich nach so vielen Jahren noch an mich erinnert hatte und mir etwas Gutes tun wollte. Vielleicht waren ja noch andere Sachen in dem Karton und der Notar oder seine Mitarbeiter hatten sich selbst daran bedient.


Aber es zählt ja letzten Endes die Geste. Ich legte die Vermächtnisse auf den Tisch und war gerade im Flur unterwegs, als ich bemerkte, dass im leeren Karton langsam etwas von einer Seite zur anderen rutschte. Komisch, dachte ich. Und da erst entdeckte ich, dass der Karton einen doppelten Boden hatte. Und schaut mal, was dann zum Vorschein kam.


Ja, die liebe Irmgard hat wohl gemäß alter deutscher Gründlichkeit und in weiser Voraussicht zu Recht ihrem Notar misstraut. Die Erinnerungsstücke sind bei mir angekommen. Danke, liebe Cousine, tausend Dank. Ich freue mich und werde das Erbe in Ehren halten... 


Hallo, liebe Steuerbeamte des Finanzamts, 

bitte jetzt keinen Erbschafts-Steuerbescheid an mich versenden. Ihr müsst nämlich wissen, dass beim Bilder-Pingpong Kreativität gefragt ist, wobei sich schon mal DICHTUNG & WAHRHEIT miteinander vermischen können. 


Obwohl ich seit dem Tod von Onkel Albert und Tante Anni über Irmgard nichts mehr erfahren habe, hoffe ich doch sehr, dass meine Cousine lebt und sich bester Gesundheit erfreut.


Der Ring mit dem Saphir und den Brillanten wurde vor Jahren von unserem ortsansässigen Goldschmied angefertigt. Der Silber-Dollar aus Kanada und der goldene Stift mit der Unterschrift des 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika - Richard Nixon - sind Andenken an einen lieben Menschen.


All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Tag.

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Januar 2016: 'Dieser Weg wird kein leichter sein...'
Februar 2016: 'Von der Schrottimmobilie zum Penthouse...'
März 2016: 'Metamorphose einer Malerin...'
April 2016: 'Unser blau-grüner Planet...'

Mai 2016: 'Geh aus, mein Herz, und suche Freud...'
Juni 2016: 'Yamato Tanoka, der über Nacht berühmt wird...'
September 2016: 'Brüll, Löwe, brüll...'
Oktober 2016: 'Ein Traum von einem Haus...'
November 2016: 'Empfinden Tiere Liebe?'
Dezember 2016: 'H wie: Hör auf dein Herz...'
Januar 2017: 'Der Dachschaden des Dagobert Krause...'
Februar 2017: 'Haus mit Garten zu vermieten...'
März 2017: 'Gute Erinnerungen tragen unser Leben...' 
April 2017: 'Jäger, Sammler & Gartenverrückte...'
Mai 2017: 'Gefangen im Labyrinth...'
Juni 2017: 'Ein Baum erzählt...'

Kommentare:

  1. Grins übers ganze Gesicht, eine tolle Geschichte und ich glaube, das Finanzamt akzeptiert das auch.

    Auch wenn ich mich bei dir wiederhole, so toll, was alles aus so einem Bild entstehen kann.

    Lieben Gru0 Eva

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  2. Hallo Edith,
    ein mysteriöser Brief aus Übersee, ein rätselhafter Karton, ein doppelter Boden und letztendlich ein kleiner Schatz der zum Vorschein kommt, na, wenn das keine wunderbare Geschichte ist!
    Auch in Verbindung mit dem Vorgabebild, finde ich Deinen Beitrag durchaus passend und nachvollziehbar, denn auf beiden Fotos sind 70ziger-Jahre-Utensilien zu finden!
    Wer weiss das schon genau, vielleicht hat Lucia auch ein geheimnisvolles Paket, per Post erhalten? (schmunzel)
    LG Heidi

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  3. What a surprise! You have acted like a detective in a detective story with double bottom and all. Great!

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  4. Liebe Edith,
    eine Geschichte mit Fake News und doppeltem Boden. Da muss ich lächeln. Auch über den Brief ans Finanzamt... Wundervoll!
    Herzlichen Dank dafür und viele liebe Grüße. Deine Lucia
    P.S. Ja, wir hatten eine schöne Ferienwohnung.

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  5. Mir gefällt, was du mit diesem Impulsbild angefangen & weitergesponnen hast! Ich fand es diesmal ausgesprochen schwierig...
    LG
    Astrid

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  6. Es hat Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen.
    Liebe Grüße!

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  7. Liebe Edith,
    du kannst schon tolle Geschichten schreiben. :D

    Viele Grüße
    Margrit

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  8. ganz großartig, liebe edith! ich habe deine geschichte sehr fasziniert gelesen - und mich über den guten ausgang gefreut. die bilder dazu passen!!
    liebe grüße
    mano

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  9. Liebe Edith,
    ganz wundervoll geschrieben. Bravo.
    Einen schönen Tag und
    viele liebe Grüße
    Ursula

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  10. Na du bist mir vielleicht eine - ganz schön reingefallen. Wunderbar geschrieben. Sowas würde mir auch gut liegen.

    Sigrun

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    1. Als meine Tochter mich kürzlich auf einen Sprung besucht hatte, um sich von mir in den Urlaub zu verabschieden, las ich ihr in den fünf Minuten, die wir hatten, ganz schnell mal diesen Post, der fertig auf Entwurf lag, vor. Sie strahlte übers ganze Gesicht. Und als sie neugierig die 'Erbstücke' bewundern wollte, erkannte sie natürlich mein Eigentum, schaute mich entsetzt an und sagte nur enttäuscht: 'Mamsi, ich habe das jetzt echt geglaubt.'
      Liebe Sigrun, bei der geringen Beteiligung liegt Bilder-Pingpong meines Erachtens in den letzten Zügen, was ich sehr schade finde, weil ich diese Herausforderung sehr mag. Du bist herzlich willkommen. Ich würde mich sehr freuen. Du könntest in das Impulsbild Sempervivien 'pflanzen', Deine beiden Lieblinge ins Spiel bringen. Alles ist möglich. Versuch es doch mal. Immer nur Garten ist auch langweilig.
      Danke für Deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Edith

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  11. Na das ist ja was liebe Edith, da hast Du uns aber ganz schon aufs Eis gelockt und das mitten im Sommer! Ich habe Dir das alles geglaubt ....! Du solltest wirklich einmal darüber nachdenken, Kurzgeschichten zu verfassen, Du machst das ausgesprochen glaubhaft! Also ich habe mich in jedem Fall für Dich gefreut, auch wenn der Ring zu guter letzt schon dein Eigentum war! Für das spüren dieser Freude danke ich Dir! LG sendet Marion

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    1. Wie ich vorstehend schon geschildert habe, liebe Marion, hat mir sogar mein eigenes Kind alles geglaubt, worüber ich mich natürlich diebisch gefreut habe.
      Danke für Deinen Kommentar. Ich wünsche mir, dass man beim Lesen merkt, wieviel Spaß ich selber beim Schreiben hatte. Wenn ich dem einen oder anderen Leser dann noch ein Lächeln entlocken kann, hat sich die Mühe gelohnt. Selbst wenn die Idee schon 'geboren' ist, ist es doch noch ein Stück Arbeit, bis man selber mit dem Ergebnis zufrieden ist. Das wird Dir nicht neu sein. Du machst ja auch nicht nur wunderbare Fotos, sondern schreibst tolle Texte.
      Berufliche Pläne verfolge ich nicht mehr. Ich bin im Ruhestand.
      Liebe Grüße
      Edith

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  12. Hier habe ich mich gleich festgelesen und es zunächst für wahr gehalten. Du hast eine tolle Art zu schreiben, liebe Edith! Ich war richtig gefesselt!

    Alles Liebe auch hier
    Sara

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    1. So war es auch gedacht, liebe Sara, dann habe ich mein Ziel erreicht.
      Danke für Deinen lieben Kommentar.
      Liebe Grüße
      Edith

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  13. Liebe Edith,
    eine schöne Geschichte. Ich habe es erst beim nochmaligen Lesen durchschaut. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen. Schönen Sonntag,
    Liebe Grüsse
    Agnes


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  14. Dichtung und Wahrheit, allerfeinst versponnen... Wunderbar, was du aus dem Karton alles herausgeholt hast... Ich kann mir denken, das war ein ganz schön langwieriger Prozess... Um überhaupt dabei zu sein, hab ich mal wieder mal kurzen Prozess gemacht. Lieben Gruß Ghislana

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